Meet The Hero, Ausgabe 3 – Alter spielt keine Rolle!

Heute möchte ich euch mit einer absoluten Powerfrau bekannt machen. Sie bestreitet ihren Weg in und durch die Motorsportwelt auf ganz eigene Weise und ist in diesen Sport mit 24 Jahren außergewöhnlich spät eingetreten. Nachdem sie unter Aufbringung einiger Opfer zehn Jahre lang jede Menge Zeit und Geld in ihre Passion, Rennen zu fahren, investiert hat, mischt sie inzwischen in der RCN mit, einem Langstrecken-Cup an der Nürburgring Nordschleife. In einem Alter, in dem so mancher Fußballer bereits ans Karriereende denkt, hat sie jedoch noch große Ziele. Welche das sind und noch vieles mehr über die sympathische Offenbacherin erfahrt ihr im untenstehenden Interview: meet Laura Luft!

oliverselzer_20180928-19_34_40_IMG_3255

Wie bist du überhaupt zum Rennsport gekommen?
Ich war direkt schon als Kind motorsportbegeistert und habe bereits mit zehn Jahren alles geschaut, was ich nur konnte: Formel 1, DTM, Nascar, IRL und Rallyesport. Darüber habe ich dann mit einem guten Freund Statistiken geführt, wer welche Meisterschaftspunkte eingeheimst hat. Allerdings bin ich damals selbst nie zum Kartfahren gekommen, auch, da meine Familie keinen Motorsporthintergrund hat. Irgendwann bin ich dann jedoch gefragt worden, warum ich das nicht selbst mal mache, da ich das Autofahren schließlich total liebe. Mit 24 Jahren habe ich somit zum ersten Mal im Kart gesessen. Meinen Kumpel, der mich dazu inspiriert hat, habe ich dann gleich erst mal geschlagen – was dieser nicht so lustig fand! [lacht] Ich habe mich danach in ein paar Rennen direkt eingebucht und konnte mich dort stetig steigern. Von kleinen Sprintrennen ging es dann sofort in meine erste Outdoor-Saison, bei der wir als Team direkt Dritter in der Gesamtmeisterschaft wurden.

Wenn du einmal diesen „Virus“ hast, kommst du davon nicht mehr los. Und damit hieß die Konsequenz: Ich will irgendwann einmal ins Rennauto! Und wenn es nur einmal in meinem Leben ist. Allerdings war mir sehr schnell klar, dass mir einmal nicht reicht und ich herausfinden musste, wie ich mir meinen Weg zu mehr Renneinsätzen im Auto erarbeiten kann.

oliverselzer_20180928-18_32_18_IMG_3136

Was war bisher dein größter Erfolg?
Da zählen ganz klar die Kart-Erfolge dazu! Beim 24h-Rennen in Italien haben mein Team und ich den ersten Platz geholt. Ich durfte sogar den Schlussturn fahren und die Emotionen beim Überqueren der Ziellinie waren einmalig! Man kämpft gemeinsam im Team für ein Ziel und das ist ein schönes Erlebnis. Somit habe ich an mehreren 24h-, an einem 77h- und einem 99h-Rennen teilgenommen, und besonders Letzteres war gigantisch: eine ganze Woche lang einfach nur Kart fahren! Damit war auch klar für mich, weiter Langstrecke zu fahren. Man kämpft zusammen und man feiert zusammen – das ist einfach toll! In den letzten Jahren habe ich dann regelmäßig Podiumsplätze auf unterschiedlichen Karts und Strecken bei verschiedenen Meisterschaften eingefahren. Außerdem bin ich seit kurzem im Sim-Sport aktiv und habe dort in diesem Jahr bereits meinen ersten Meisterschaftstitel in einer Serie gewonnen. Meine dritten Plätze im Auto waren natürlich auch super und in Zukunft können ruhig mehr Podiumsplätze dazu kommen! [lacht]

oliverselzer_20180928-19_10_13_IMG_3198

Mit welchem Auto hattest du bisher am meisten Spaß?
Ganz klar mit dem BMW M235i, womit ich aktuell Rennen bestreite. Was ich allerdings sehr gern noch fahren würde: den M4 GT4, ein absolutes Hammerauto! Es gibt unzählig viele weitere tolle Autos, aber mal abwarten, was sich noch so ergibt.

IMG_6193
Der BMW M235i von Adrenalin Motorsport, mit dem Laura in der RCN antritt – und mit dem sie im Rahmen der VLN ihre Taxigäste die Nordschleife im Renntempo erleben lässt.

Wer ist eine große Inspiration für dich?
Der Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo. Er ist zwar kein Langstreckenfahrer, bei ihm ist für mich allerdings der Spirit und die Persönlichkeit entscheidend. Ich sehe ihn als einen super Teamplayer: immer mit einem Strahlen im Gesicht, immer gut drauf, und das auch an einem schlechten Tag. Wenn man so verfolgt, was er auf seinen Social-Media-Kanälen zeigt und wie er sich am Renntag gibt, kann man sich gut vorstellen, wie er sein Leben führt und dass er einfach er selbst geblieben ist. Der Erfolg – nicht nur im Motorsport – mag den einen oder anderen Charakter verändern, bei Daniel scheint das nicht der Fall zu sein!

Auch im Langstreckensport gibt es unzählige Größen. Wer mich zum Beispiel mit seinem Mut und Charisma unendlich begeistert ist Alessandro Zanardi. Trotz dieser ganzen schrecklichen Ereignisse fährt er einfach weiter als wäre nichts gewesen. Ein Kämpfer, Stehaufmännchen und Mutmacher dafür, dass man – egal wie schwierig die Umstände auch sein mögen – mit Leidenschaft und Ehrgeiz alles erreichen kann!

oliverselzer_20180928-19_29_27_IMG_3239

Trainierst du mit Rennsimulationen? Wenn ja, mit welchen?
Ja, seit letztem Jahr, und zwar mit Assetto Corsa. Das hat sich durch Zufall so ergeben und aktuell trainiere ich auf einem Motion Simulator. Dadurch, dass dort die Bewegungen des Fahrzeugs sehr gut vermittelt werden und Assetto Corsa die Rennstrecke sehr detailgenau abbildet, bekommt man meiner Meinung nach ein viel realistischeres Fahrgefühl als das an einer statischen Simulation der Fall ist.

oliverselzer_20180928-19_05_25_IMG_3195

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Es gibt viele gute Bücher für den Rennsport und darüber, wie man sich mental und körperlich vorbereitet. Daraus kann man sich gewiss Einzelteile herausziehen, aber am Ende sollte jeder sein eigenes Buch aus den eigenen Erfahrungen schreiben, denn nicht jeder tickt gleich und somit sollte auch jeder seinen eigenen Weg finden, um sich optimal weiterzuentwickeln. Tipps und Tricks hole ich mir dann meist aus der Praxis.

oliverselzer_20181019-16_34_03_IMG_5421

Was ist am wichtigsten, um überhaupt Rennfahrer zu werden?
Du musst viel Leidenschaft und Engagement mitbringen! Und zwangsläufig gehört es dazu, Opfer zu bringen: Freizeit, Freunde und Familie werden Dinge sein, die du in gewissem Maß in den Hintergrund stellen musst – oder geschickt versuchen musst, zu vereinen. Bei mir ist der Ehrgeiz sehr hoch. Wenn du an bestimmte Dinge zu locker rangehst, kannst du dich nicht verbessern. Natürlich ist es auch wichtig, eine gewisse Fähigkeit dafür zu haben, und wenn du diese nicht hast, musst du beständig an dir selbst arbeiten und trainieren. Ich habe eine Riesenpassion für Motorsport, und jeder, dem ich von Autos erzähle, kann es bald nicht mehr hören. Dann glänzen meine Augen und von allen anderen höre ich dann nur noch „Ja, ja, jetzt redet sie wieder über Autos“ [lacht] – Wenn du diese Leidenschaft mitbringst, ist das meiner Meinung nach der Knackpunkt, um erfolgreich zu sein und Motorsport überhaupt betreiben zu können (mal von finanziellen Mitteln abgesehen).

oliverselzer_20181019-16_37_11_IMG_5447

Wie gehen deine Familie und deine Freunde mit den Gefahren um, die der Motorsport mit sich bringt?
Auf der einen Seite sind meine Eltern schon stolz auf mich. Aber besonders meine Mama sagt dann auch immer: „Pass auf und fahr langsam!“ – das ist jetzt im Rennsport allerdings nicht unbedingt sinnvoll, aber ich weiß ja wie es gemeint ist! [lacht] Sowohl meine Eltern, meine Freunde als auch ich wissen schon, dass der Motorsport Gefahren mit sich bringen kann, aber das musst du im Auto ausblenden können, sonst fährst du nicht frei. Und heutzutage ist das Risiko glücklicherweise auch nicht mehr so krass wie in den Anfangsjahren des Motorsports.

Was denkst du über das Auto der Zukunft?
Ich finde das sehr spannend! Wir werden ganz sicher in den nächsten zwanzig Jahren eine große Entwicklung sehen – bis aber jedes Auto komplett ferngesteuert unterwegs ist, ist es meiner Meinung nach noch ein Riesenschritt, wenn das überhaupt eingeführt werden sollte. Dann kann nämlich kein anderer mehr auf der Straße sein, dann kann niemand mehr mit seinem Oldtimer etc. fahren. Dann passt du einfach nicht mehr ins System. Das wäre für mich als passionierte Fahrerin der absolute Horror! Somit genieße ich die Zeit zum Fahren mit jeder Minute! [lacht]

Fahrassistenzsysteme finde ich teilweise sinnvoll, aber ich möchte trotzdem immer noch selbst fahren! Auch: Weil ich dadurch wacher bin. Wenn ich hinter jemandem hertrotte, bin ich längst nicht so aufmerksam wie wenn ich selbst eingreifen muss und mich selbst schule, eine gute Reaktionsfähigkeit zu haben.

oliverselzer_20181019-17_20_28_IMG_1204
„Egal, wie lange du nicht mehr im Rennwagen gesessen hast. Du musst – genau wie dein Auto – in fünf Sekunden von null auf hundert sein!“

Wie finanzierst du dir das Leben als Rennfahrerin?
Sehr mühsam! Mein eigentlicher Job bringt mir zwar Geld ein, aber als normale Angestellte kommst du nicht weit. Ich habe andere Hobbys aufgegeben und viele Sachen verkauft, um mir das leisten zu können. Du darfst dir auch keinen Fehler erlauben, denn die Selbstbeteiligung hast du zum Beispiel nicht immer sofort parat! Deshalb musst du materialschonend fahren. Ich habe zum Glück bisher noch kein Auto oder Kart beschädigt und noch nicht einmal einen Reifen kaputtgefahren. Das gehört halt auch dazu: mit Köpfchen heranzugehen und eben nicht in jeden Zweikampf reinzuhalten, der am Ende noch nicht einmal Sinn macht. Trotzdem darfst du dich auch nicht dadurch im Kopf zurückhalten lassen, sonst wirst du nicht schnell.

Man kann nebenbei mit viel Engagement versuchen, die eigenen Fähigkeiten noch für andere Dinge einzusetzen. Ich arbeite zum Beispiel nebenberuflich als freie Journalistin und schreibe Fahrberichte. Außerdem ist es wichtig, Sponsoren zu finden, was zugegebenermaßen sehr schwierig ist. Ohne Sponsoren kannst du dir aber nicht eben mal einen Traum erfüllen, wie zum Beispiel beim 24h-Rennen am Nürburgring anzutreten. Ich zahle das bisher alles aus der eigenen Tasche. Von Anfang an, das heißt seit zehn Jahren. Ich bin zwar auch stolz darauf, aber du kommst irgendwann einfach nicht mehr so locker ohne finanzielle Unterstützung weiter.

oliverselzer_20181019-17_33_53_IMG_5579

Auf welcher Strecke würdest du unbedingt gern einmal fahren?
Le Mans zum Beispiel! Gerade als Langstreckenfahrer sollte man das auf seiner Kerbe haben. Auch bei den 24 Stunden von Dubai würde ich gern einmal an den Start gehen, ich bin dort bereits bei toller Atmosphäre Kart gefahren. Aber der absolute Klassiker ist und bleibt der Nürburgring. Aber es gibt so viele schöne weitere Strecken, auf denen ich gerne noch fahren möchte. Ich lasse es mal auf mich zukommen.

oliverselzer_20181019-17_34_56_IMG_5582

Was ist dein größtes Ziel?
24h-Rennen im Rennauto zu bestreiten. Das ist schon immer mein ultimatives Ziel. Die knisternde Atmosphäre, alle arbeiten zusammen auf ein Ziel hin, die tolle Umgebung und die gigantische pulsierende Stimmung rund um die Strecke – gerade am Nürburgring, wo alle am Feiern sind und man die Lichter in den Wäldern sieht. Da sind 24 Stunden eigentlich immer viel zu schnell vorbei! Man muss dieses Erlebnis förmlich einsaugen. Vielleicht klappt das über die VLN … [Anmerkung: die Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring Nordschleife] Andere Rennserien wären dafür auch ein Sprungbrett, zum Beispiel die Creventic-Serie mit einer Vielzahl von 12- und 24h-Rennen. Ich arbeite weiter daran, mir meinen Traum zu erfüllen und bin offen für das, was noch auf mich wartet.

Ich wünsche dir viel Glück dabei und danke dir, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Zu guter Letzt: Wie sieht dein Rennwagen aus?

IMG_6697_LauraLuft_drawing

Euch hat dieses Interview gefallen oder ihr habt weitere Fragen? Schreibt mir einfach in die Kommentare!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s